Bach goes modern – auch im Bachhaus Eisenach

Weiter geht’s mit unserem Rundgang durch das Bachhaus in Eisenach. Große Sitzkugeln laden im Neubau ein, in die Werke des großen Komponisten einzutauchen und ihn unter ganz bestimmten Aspekten zu studieren. Da wird Bach beispielsweise als musikalischer Prediger vorgestellt, ebenso als Lehrer oder Perfektionist. Reinsetzen, Kopfhörer auf und in die Musik abtauchen – das darf hier so lange gemacht werden, wie man möchte.

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An der Außenwand sind etliche Bilder von Bach zu bestaunen. Wie kennen wir Bach heute, lautet die Frage. Ob tatsächlich alle Bilder, die Bach zeigen sollen, das auch wirklich tun, lässt sich nicht mehr eindeutig klären. Fotoapparate gab es damals halt noch nicht – Bleibendes schufen nur die Maler.
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Weiter geht es auf der Runde an der Außenseite des großen Raums, wo man erfährt, wie Bach Eingang in die Musik der Gegenwart gefunden hat. Bilder, Originalstücke sowie Hörproben sind dort im Angebot. Alec Templeton (1909 – 63) hat in „Bach goes to town“ ein „Prelude and Fugue in Swing“ nach Bach’schem Vorbild geschaffen. So hätte es Bach vielleicht geschrieben, wenn er heute noch leben würde, meinte der Komponist.

Auch Walt Disney hat sich für seine Fatasia bei Bach bedient. Er wollte Musik sehen und mit Bildern hören. Inspiration und Popularisierung hat Bach weiter unsterblich gemacht. Dabei waren seine Werke schon zu Lebzeiten „unbequem“ und herausfordernd. Einfach mal so runter spielen war nicht. Vielmehr mussten die Aufführenden über die technischen Grundlagen und die geistigen Voraussetzungen ihres Spiels nachdenken – lernen wir im Bachhaus.

bach2-denkmalDie vierte Seite der Außenwände ist der Bach-Gesellschaft gewidmet. Sie wurde 1850 gegründet, um sich um die Gesamtausgabe der Bach-Werke zu kümmern. Denn nach dem Tod von Bachs Söhnen und Schüler bestand die Gefahr, dass die überlieferten Bachwerke in alle Winde zerstreut würden. Aber es gab zum Glück auch die Verleger, die Bachs Werk erschlossen und bewahrten.

Erst 1950 hat Wolfgang Schmieder das Bachwerk-Verzeichnis vorgelegt. Noch ziemlich frisch ist die Neue Bachausgabe (NBA) aus dem Jahr 2006, die stolze 100 Bände umfasst. Trotz dieser Menge gilt ein Teil Bachs Kompositionen als verloren.
Und trotz all dieser Bemühungen und der vielen Exponate in den beiden Bachhäusern in Eisenach und Leipzig müssen Bach-Freunde akzeptieren, dass es die endgültig „wahre“ Lebensbeschreibung über Bach nie geben wird.

Nun können sich die Besucher noch auf die Innenbahn begeben und nochmal ganz tief in die Musik eintauchen. Hier kann man viel über Kantaten, Sonaten, Suiten, Concerto, Ouverturen und Motetten erfahren. Es gibt Texte, Bilder, Noten zu betrachten und Töne über iPods zu hören.

Alles nur geklaut? Nein, nicht alles, und auch nicht geklaut. Bei Bach heißt das Ganze Parodieverfahren und beschreibt zwei Fassungen eines Stücks. Bach hat durchaus weltliche Kompositionen auch für geistliche Zwecke genutzt. Warum auch nicht?

Bach war aber nicht nur Experte mit dem Notenpapier, sondern war auch als Orgelvirtuose bekannt. Dieses große Instrument kannte er zudem wie kaum ein anderer, denn er war auch als Orgelsachverständiger sehr gefragt.

Wer noch Zeit hat, kann innerhalb des Innenkreises noch weiteren Bachwerken lauschen. Wen eher Hunger oder Durst plagen, kann beides direkt im Bachhaus stillen, und im Eingangsbereich natürlich auch CDs oder andere Erinnerungsstücke an den großen Komponisten und den Besuch in Eisenach erwerben.
Für jeden ist etwas dabei, von klassisch bis modern, von der Musik bis zur Person Bachs, vom Lesen bis zum Hören. Wer alles nutzen will, sollte ein paar Stunden Zeit mitbringen, um den großen Komponisten intensiv kennenzulernen. Wer Antworten auf spezielle Fragen sucht, wird auch diese im Bachhaus finden.

Also – auf nach Eisenach!

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