Planung im Blasorchester

Wenn sich Dirigent und Vorstand einig sind, dass sich ihr Blasorchester immer weiter verbessern soll, ist Planung unerläßlich. Denn wer sich auf den Kollegen Zufall verlässt, ist meist irgendwann verlassen, tritt auf der Stelle oder geht sogar rückwärts.
Die verschiedenen Planungshorizonte und Inhalte sind Gegenstand dieses Beitrags.

Langfristige Planung

Hier sprechen wir von einem Zeithorizont von 5 – 7 Jahren. Man sollte sich überlegen, welche Besetzung man in dieser Zeit erreichen bzw. erhalten möchte und welche Maßnahmen dafür nötig sind. Einerseits geht der Blick auf die Jugendlichen, die sich gerade in der musikalischen Ausbildung befinden und im Planungszeitraum ins große Orchester wechseln werden. Andererseits geht der Blick auf die aktiven Musiker, von denen eventuell der ein oder andere aus Altergründen oder berufsbedingt zum Ausscheiden gezwungen sein könnte.

Um keine Lücken in den Registern entstehen zu lassen, sollte man rechtzeitig mit der Rekrutierung beginnen. Manchmal ist es auch möglich, drohende Lücken dadurch zu füllen, dass ein aktiver Musiker ein neues Instrument lernt. Damit ist er sicher schneller einsatzbereit als ein Schüler, der von Null anfängt. Aber gerade beim Wechsel vom Holz- ins Blechregister oder umgekehrt, sollte mindestens 1 Jahr Lehrzeit gerechnet werden, bis ein dauerhafter Einsatz am neuen Instrument möglich ist.

Im Zeitraum der langfristigen Planung können auch besonderes Auftritte fallen, z.B. das Vereinsjubiläum. Abgesehen von den organisatorischen Aufgaben ist es denkbar, dass hierfür ein spezielles Stück komponiert werden soll. Und auch dafür wird ein gewisser zeitlicher Vorlauf benötigt. Da erfahrungsgemäß immer alles länger dauert, als man meint, ist hier also ein frühzeitiger Beginn ratsam

Mittelfristige Planung

Hier reicht der Planungshorizont längstens über ein Jahr, vielleicht auch nur über einige Monate. Liegt das Jahreskonzert in diesem Planungszeitraum, verdient es natürlich besonderes Augenmerk. Ansonsten wird für den Zeitraum festgelegt, wie viele Proben und Auftritte stattfinden.

Als Faustregel lässt sich sagen, dass es mindestens 10 Auftritte pro Jahr sein sollten. Ansonsten könnte die Motivation für die Proben leiden. Außerdem stellt sich die Frage, wie die Finanzierung des Orchesters mit so wenigen Auftritten gesichert werden kann. Als absolutes Maximum gelten 70 -80 Auftritte pro Jahr. Natürlich sind bei solchen Zahlen auch kleinere Auftritte wie Prozessionen oder Ständchen inbegriffen, und man sollte überlegen, ob nicht teilweise eine kleinere Besetzung spielen kann. Dabei ist dann allerdings wieder wichtig, auf Ausgewogenheit zu achten, damit nicht wenige Musiker immer spielen und manche nur selten. Ganz besonders brisant kann das Spielen in kleinen Besetzungen werden, wenn nur bei bestimmten Auftritten die Gage ausbezahlt wird, sich die “Frechen” um diese Auftritte reißen, während für die “Braven” dann oft nur die undankbaren, nicht bezahlten Auftritte übrig bleiben.

Kurzfristige Planung

Hier geht es um die Planung einer Musikprobe, die zu 99% in den Zuständigkeitsbereich des Dirigenten fällt. Eine gute Probe kann mit einer Komposition verglichen werden: Abwechslung und Steigerung. Sie muss etwas für’s Hirn, die Hand und das Herz bieten.

Die 7 Schwerpunkte der Probe lauten:

  1. Einspielen
  2. Ausarbeiten
  3. Grundstimmung
  4. Repertoirestück
  5. Tonbeispiel
  6. vom Blatt spielen (hält geistig lebendig und frisch)
  7. Schlußstück

Zur Probemitte kann mit der höchsten Leistung gerechnet werden. Zum Abschluß der Probe sollte ein Stück aufgelegt werden, dass Spaß macht, damit alle in guter Stimmung den Heimweg antreten.

Diese Tipps stammen übrigens von Gottfried Veit, Landeskapellmeister in Südtirol. Er hat sie vor einiger Zeit mal bei einem Vortrag in Oberaudorf an interessierte Dirigenten und Musiker weitergegeben.

Ein Kommentar zu “Planung im Blasorchester

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>